Eine Mutter berichtet…

Über glückliche Kinder

Ich fahre auf den Parkplatz des Talhofs (Demeter Bauernhof) wo unser Hinbring- und Abholtreffpunkt für den Waldkindergarten ist. Laut rufe ich: “Ich will die glücklichsten Kinder der Welt abholen!” – und eine ganze Horde bunter, lustiger, gut gelaunter Kinder kommt auf mich zugerannt. mMeine Söhne Peet (5 Jahre) und Lew (3Jahre) schmeißen mich beinahe um, als sie mir in die Arme fallen. Ja, das sind sie, glücklich und sogar sehr.

Als ich vor ca. einem  Jahr davon hörte, dass Maria Charisius einen Waldkindergarten in Heidenheim gründen will, bin ich natürlich sofort zur Gründungsinfoveranstaltung gegangen. Das Konzept von Waldkindergärten hat mich schon lange interessiert und ich fand Maria sofort so sympathisch und Kompetent (sie ist Dipl. Pädagogin und hat in Freiburg bereits in Waldkindergärten gearbeitet.) dass ich beschloss, sie bei ihrem Vorhaben zu unterstützen. Zum Glück haben sich noch viele begeisterte Eltern angeschlossen und bei der Gründung des Vereins brachte sich vor allem unser “Waldopa” Hans Schmid (ehemaliger Forstdirektor der Stadt Heidenheim), der jetzt unser Vorstandsvorsitzender ist, sich sehr engagiert mit ein.
So konnten wir im Oktober 2013 im Talhof unser Projekt “Waldkindergarten Ugental” mit 8 Kindern starten und bis Ende des ersten Kindergartenjahres waren es bereits 20 Kinder.

Mein Sohn, der sich in seinem alten Kindergarten sehr schwer tat, Freunde zu finden und sich anzupassen, hat sich erstaunlich entwickelt. Durch die kleine Gruppe und die sehr persönliche, liebevolle Betreuung von Maria und ihrem Team hat er ernorme soziale Kompetenzen entwickelt. Er hat mittlerweile richtig viele, gute Freunde. Ich denke er profitiert sehr von dem geradezu unendlichen Raum, den ihm die Natur bietet, um sich zu entfalten. Da kann er ganz in seiner Phantasie aufgehen und erblühen. Er beobachtet Schnecken mit einer Neugier die geradezu ansteckend wirkt, sogar auf Erwachsene. Auch hat er jetzt schon ein großes Bewusstsein für Naturschutz und Nachhaltigkeit. “Du darfst das Ahornbäumchen nicht einfach ausreißen!” oder ” Wir lassen der Eintagsfliege das Leben, weil sie lebt ja nur heute”  sind dann Kommentare meines Kleinen. Regelmäßig müssen wir auch Regenwürmer von der nassen Straße retten, damit sie nicht überfahren werden.  Erstaunlich ist auch, dass er jetzt schon mehr Planzen und Tiernamen weiß als die meisten Erwachsenen die ich kenne. Durch die nähe zum Demeterbauernhof bekommen die Kinder auch sehr viel über das Leben auf dem Bauernhof mit. Sei es über die Kühe, die oft um den Waldwagen grasen, die Schweine, die Esel und die Hühner. Werden neue Kälbchen geboren, so wird das ganz genau verfolgt und sie werden jeden Morgen besucht. Im Stroh der Scheune zu toben ist natürlich auch sehr beliebt.
Er liebt es mit Stöcken und Steinen  zu spielen, ein Tipi im Wald zu bauen und auf Bäume zu klettern. Was gibt es schöneres für Kinder? Auch vor großen Matschpfützen wird nicht halt gemacht. Für die Kinder ist es gar nicht so wichtig, ob es regnet oder nicht. Sie nehmen es einfach so wie es ist und wir Mamas und Papas ziehen sie einfach entsprechend an. Mein Jüngster Sohn sagte neulich: “Ich lieb den Regen immer so.” Während wir früher regelrechte Krankheitsmarathons ausstehen mussten, sind meine Kinder kaum noch krank. Eine laufende Nase hatten wir schon sehr lange nicht mehr. Die viele frische Luft scheint ihr Immunsystem sehr zu stärken. Außerdem merkt man auch, dass die Kinder richtig fit sind. Mit ihnen kann man richtig weite Strecken laufen ohne Gejammer und sie sind wirklich ausgetobt, wenn sie nach Hause kommen. Der Kleine sagt dann nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf:  “Jetzt wieder Waldkindi gehen!” Das ist doch das beste Zeichen dafür, dass sie dort richtig glücklich sind. Während es früher manchmal Diskussionen gab, dass sie nicht in den Kindergarten gehen wollten, vermissen sie nun den Kindergarten am Wochenende…